cropped-stilfser joch serpentinen

von Jan Horstkotte

Michael Wolf ist ganz neu im Verein. Der Rennrad-Neuling wählte als Einstieg einen ganz besonderen Weg und wagte sich gemeinsam mit guten Freunden direkt an einen Alpencross. Ich hatte die Gelegenheit, ihm zu dieser positiv verrückten Idee ein paar Fragen zu stellen.

Hallo Michael, herzlich willkommen im Verein und Glückwunsch zur erfolgreichen Alpenüberquerung. Wie bist Du auf die Idee gekommen als Einsteiger eine Alpenüberquerung zu machen?

Michael:

Das hatte verschiedene Gründe:
Im letzten Jahr waren wir auf Gran Canaria im Urlaub, dort war ich sehr angetan von den vielen Rennradfahrern, die dort in den Bergen unterwegs waren. Ich beschloss auch unter die Rennradfahrer zu gehen und dafür das Joggen aufzugeben. Somit bin ich seit dem letzten Jahr Rennrad-Neueinsteiger.

Bei den Anstiegen im Teutoburger Wald, hatte ich immer das Gefühl, ein kleinerer Gang wäre am Berg hilfreich. Obwohl ich vorne eine Kompaktkurbel (50/34) und hinten eine Kassette 12/28 drauf hatte. Mein Fahrradfachmann Michael von Radstand, Bielefeld sagte mir immer, diese Kompaktkurbel sei für eine Alpenüberquerung ausgelegt und reiche für den Teutoburger Wald allemal aus.

Da ich jedoch vom Mountainbike kleinere Gänge am Berg gewohnt war, ließ ich mir kurz vor der Alpencross letztendlich am Hinterrad eine andere Kassette montieren (12/32). Damit hatte ich am Berg fast eine 1:1 Übersetzung und alles fiel mir leichter.

Nachdem ich wider Erwarten mit gestandenen routinierten Rennradfahrern gut mithalten konnte, kam bei mir die spontane Idee mal eine Alpenüberquerung zu machen. Außerdem kannte ich die Alpen gut von vielen Skiurlauben und Wanderungen, hatte sie aber noch nie mit dem Rad erklommen. Rennradfreunde hörten von meiner Idee einen Alpencross zu machen und wählten eine Strecke von Kempten im Allgäu nach Riva am Gardasee in 4 Tagen, 400 km und durchschnittlich 2000 Höhenmeter pro Tag.

 

Warum genau diese Strecke?

Michael:

Diese Strecke haben wir einem Tourenbuch entnommen; als Empfehlung und letztendlich aufgrund von Wettersituationen mussten wir sie spontan modifizieren.

 

Wie lange hast Du Dich sportlich vorbereitet; gab es ein speziellen Trainingsplan?

Michael:

Speziell für die Alpenüberquerung mit dem Rennrad habe ich mich ca. 2 Monate vorbereitet. Allerdings bin ich davor auch immer dem Sport verpflichtet gewesen (Tennis, Fitnessstudio, Spinning, der tägliche Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit ,ganzjährig ,16 km pro Tag) und hatte somit eine gewisse Grundfitness. Einen speziellen Trainingsplan hatte ich mir aus dem Internet gezogen (siehe unsere homepage) und das Buch von Tim Böhme, Jochen Haar "Rennrad Training" war auch sehr hilfreich. Auch die vielen Tipps von Rennradfahrern waren sehr hilfreich. Man empfahl mir an sehr steilen Straßen zu trainieren wie z. B. die Fahrt zum Luisenturm, Borgholzhausen , dann die Fahrt zum Fernmeldeturm Hünenburg in der Nähe von „Zwei Schlingen". Viele Bergstraßen am Teuto in der Nähe von Bielefeld bin ich mal abgefahren und der Ausritt zum Hermannsdenkmal gehörte zum Pflichtprogramm.

 

War es so anstrengend wie Du Dir das vorgestellt hast?

Michael:
Es war für mich nicht so anstrengend, weil ich eine sehr gute technische Ausstattung hatte ("Rentner-Ritzel" 50/34, hinten 12/32 und ein 7,9 kg leichtes Carbon-Rennrad), über eine gewisse körperliche Grundfitness verfüge und am Berg langsam hochgefahren bin. Die Zeit und Geschwindigkeit spielt für mich keine Rolle, letztendlich wollte ich nur die Tour gesund schaffen und heile oben ankommen.

Z.B. am Stilfser Joch (26 km , nur berghoch) habe ich den Puls nur auf max. 130 kommen lassen, viele Pausen gemacht und den Gipfel gut erreicht, d.h. ich bin dort nicht wie manch andere, die schneller gefahren sind, total erschöpft angekommen. Auch jeden Tag nach der Tour war ich nie voll ausgepowert, weil ich moderat gefahren bin.

 

Gab es Überraschungen, irgendetwas mit dem Ihr nicht gerechnet habt?

Michael:
Positive Überraschungen gab es: super Wetter, 30 Grad, überwiegend trocken, schneefreie Passstraßen.

Negative Überraschungen: 2 schwere Motorradunfälle am Hahntennjoch-Pass, Behinderungen durch rasende Motorradfahrer, viel zu viel Verkehr über die Brückentage und am Wochenende, ein tödlicher Radfahrerunfall am Berg von dem wir gehört hatten; einmal im Stand nicht rechtzeitig aus den Klickpedalen rausgekommen , umgekippt und leichte Verletzungen am Bein zugezogen, bei der Bergabfahrt mit hoher Geschwindigkeit ein Insekt ins Auge bekommen mit plötzlicher starker Sehbeeinträchtigung.

 

Welche Tipps kannst Du Interessierten mitgeben, die das auch einmal probieren wollen?

Michael:
Gute technische Ausstattung, Pässe nur an Werktagen fahren (weniger Verkehr), den Berg langsam angehen mit Pulsgurt und die Geschwindigkeit dementsprechend dosieren.

 

Dein schönstes Erlebnis auf der Tour?

Michael:
Das Erreichen des Stilfser Joch-Gipfels ohne Probleme löste Glücksgefühle aus, weil ich dieses am Teuto nicht trainieren konnte und nicht wusste , ob ich das schaffen kann.

 

Machst Du es noch einmal?

Michael:
Ein gewisser Reiz ist da, dieselbe Strecke noch mal zu fahren, weil sie sehr schön war, dann aber nur werktags. Aber eine neue Strecke hätte auch ihren Reiz, es muss auch nicht über die Alpen sein, es könnte auch mal eher eine Langstrecke sein von Norditalien nach Süditalien oder woanders.

 

Vielen Dank Michael.

 

Wer noch mehr Eindrücke der Fahrt aufsaugen möchte, besucht am besten die Internetseite von Michael: www.alpencross2015.wordpress.com

Oder Ihr fachsimpelt einfach bei der nächsten gemeinsamen Radtour bzw. an unserem Stammtisch.

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