{"id":3801,"date":"2014-05-02T20:44:25","date_gmt":"2014-05-02T18:44:25","guid":{"rendered":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/2014\/05\/02\/zurueck-in-die-zukunft\/"},"modified":"2014-05-02T20:44:25","modified_gmt":"2014-05-02T18:44:25","slug":"zurueck-in-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/2014\/05\/02\/zurueck-in-die-zukunft\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Wer wei\u00df, vielleicht wird ja eine ganze Serie daraus, in der wir \u201eZeitzeugen&#8220; bitten historische Anekdoten zu unserem Verein preiszugeben?<\/p>\n<p>Der heutige Start k\u00f6nnte unter der Rubrik \u201eGr\u00fcnderv\u00e4ter&#8220; stehen. Wir haben ein wenig mit unserem Gr\u00fcndungsmitglied Gerd Kalk\u00fchler geplaudert und dabei viel Interessantes \u00fcber sein bewegtes Leben und unseren Verein erfahren.<\/p>\n<p><strong>Gerd, wie war das damals bei der Gr\u00fcndung vom RC Sprintax?<\/strong><br \/><em>\u201eWir waren zu siebt. In der Kneipe \u201eZur Etappe&#8220; von Tour de France-Teilnehmer G\u00fcnther Pankoke haben wir den Verein 1969 gegr\u00fcndet.<\/em><\/p>\n<p><em>Wisst Ihr eigentlich, wie es zum Namen Sprintax gekommen ist?&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Nein.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDamals war es Amateurfahrern strikt verboten mit Reklame zu fahren. Von Alcinas Profiteam hatte ich eine Hose geschenkt bekommen, die waren ja noch beflockt, da habe ich dann den Namen einfach abgeknibbelt. Dort wo die Buchstaben waren, konnte man den Teamnamen nat\u00fcrlich noch erkennen und daf\u00fcr wurde ich dann von der Rennleitung disqualifiziert.<\/em><\/p>\n<p><em>Die einzige M\u00f6glichkeit diese Regelung zu umgehen, war zuerst einen Verein zu gr\u00fcnden und nach der Genehmigung durch den BDR ein Produkt mit dem gleichen Namen auf den Markt zu bringen. Wir hatten damals pers\u00f6nliche Kontakte zum Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Pr\u00e4zision Werke Bielefeld, einer gro\u00dfen Fahrradfirma in Sieker, dort wo heute die Post ist. Bielefeld war damals ja mit Marken wie Falter, Gudereit, Rixe und vielen anderen die Fahrradhauptstadt Deutschlands. Die Pr\u00e4zision Werke planten eine neue Hinterradnabe mit dem Namen Sprintax auf den Markt zu bringen, daher w\u00e4hlten wir diesen Fantasienamen f\u00fcr unseren Verein. Leider ging es der Muttergesellschaft Fichtel &amp; Sachs wirtschaftlich Ende der 60er nicht gut, so dass sie die Bielefelder Tochter schlossen bevor die Nabe zu Ende entwickelt wurde.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Apropos Radfabrik, Du hast auch mal Rahmen hergestellt?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eJa sicher, die deutschen Bahnfahrer haben \u00b476 auf meinen Rahmen Olympiagold geholt. Klaus-Peter Thaler wurde Cross-Weltmeister auf meinem Rahmen. Auch Gregor Braun (Anmerkung: der erfolgreichste Teilnehmer im olympischen Velodrom von Montreal 1976) und viele andere waren meine Kunden. Sprinter, Einerverfolgung, Vierer alle fuhren mit meinen Rahmen. Drei Goldmedaillen in Montreal und die Weltmeisterschaft im 1.000-Meter Zeitfahren wurden damit gewonnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu der Zeit war ich seit acht Jahren Gymnasiallehrer f\u00fcr Mathematik in Heepen. Diese Sonderrahmen habe ich nebenbei gebaut. Nach den Erfolgen wurde die Nachfrage so gro\u00df, dass ich mich entscheiden musste: Rahmenbau oder Lehrer.<\/em><\/p>\n<p><em>Gegen den Willen meiner Frau, meiner Eltern und meines Rektors habe ich dann den Beruf des Lehrers aufgegeben und eine Radfabrik aufgemacht. F\u00fcr Gudereit haben wir mit 15 Mitarbeitern t\u00e4glich 300 \u201enormale&#8220; Rahmen hergestellt. Dazu noch Einsteigerrennr\u00e4der. Individualrahmen habe ich weiterhin pers\u00f6nlich gebaut.<\/em><\/p>\n<p><em>Kommt mal mit, ich zeige euch einen meiner Rahmen, ein unverk\u00e4ufliches St\u00fcck.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Er geht in den Schuppen und zaubert mit einem Griff einen Stahlrahmen mit Rost-Patina hervor.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin: 10px; vertical-align: middle;\" src=\"images\/Berichte\/Rahmen_Kalk\u00fchler.png\" alt=\"Rahmen Kalk\u00fchler\" width=\"398\" height=\"299\" \/><\/p>\n<p><em>\u201eDa sage noch einer, Stahl w\u00e4re schwer.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Wir halten den Rahmen in der Hand, er ist erstaunlich leicht und wir glauben nicht, dass aktuelle Serien-Alurahmen das Besser k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\u201eDa kommt dann noch 500gr. Lack drauf?&#8220; fragen wir provozierend.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eNein, das sind Columbus Record-Rohre mit einer Wandst\u00e4rke von 0,4 mm, da w\u00e4re eine Sandstrahlung zur Vorbereitung der Lackierung gar nicht m\u00f6glich ohne den Rahmen zu besch\u00e4digen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Und wie ging es dann weiter?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDann kam Taiwan auf den Markt und die Produktion in Deutschland hat sich nicht mehr gelohnt. Ich musste wie viele andere Bielefelder Firmen schlie\u00dfen. Zur\u00fcck in den Beruf des Lehrers wollte ich nicht; den Beamtenstatus h\u00e4tte ich mit 40 auch nicht mehr bekommen, also habe ich meinen Fahrradladen aufgemacht. Da im Winter weniger los war, habe ich noch Mathematik-Nachhilfeunterricht gegeben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Heute muss ein Rad ja schon unter 8 kg wiegen. Besser 6,3 kg. Carbon ist bereits in den untersten Rennklassen das angesagte Material. Wie sah das bei Euch aus?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWir hatten gemuffte Stahlrahmen mit Haken-\/ Riemenpedalen und einer 7-Gang-Rahmenschaltung. Die Kurbelbl\u00e4tter hatten 52\/42-Z\u00e4hne.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Unsere Trikots sind alle atmungsaktiv und schnelltrocknend. Einige Spezialisten fahren besondere Zeitfahranz\u00fcge. Helme werden immer leichter und windschnittiger. Was habt Ihr angezogen?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUnsere Trikots waren, wie die Hosen, aus Baumwolle. Wenn es bei Rund um Frankfurt morgens um sieben Uhr im April regnete, waren wir schon am Start drei Kilogramm schwerer.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie hast Du Dich auf die Rennen vorbereitet?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eF\u00fcr Rund um Frankfurt sind wir zwei mal die Woche R\u00fctli, Selhausen, Panzerstra\u00dfe, Hermannsdenkmal, Gausek\u00f6te, Horn, B\u00e4rental, Paderborn, Lippstadt, Halle und noch mal rauf zum Sender gefahren. Das waren \u00fcber 200 km. Oder wir sind Richtung Talle, Hohenhausen raus. Mallorca kam zur Vorbereitung ja noch nicht in Frage. Aber unsere lippische Heimat bietet genug sch\u00f6ne Strecken zur Saisonvorbereitung. Hier kann man sich auch auf eine Tour de France vorbereiten!&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Und wie sieht es mit Deiner Lieblingsdisziplin aus? Welcher Fahrertyp warst Du bzw. wo lagen Deine St\u00e4rken am Berg, beim Sprint oder auf der Bahn?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMein Herz geh\u00f6rte der Stra\u00dfe, mein Talent lag aber auf der Bahn. Das wollte ich mir nie eingestehen. Mein Ziel war es immer den Henninger Turm zu gewinnen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Hattest Du ein Lieblingsrennen?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eRund um Frankfurt bin ich immer gerne gefahren. Der letzte Berg im Rennen, der Mammolshainer (Anmerkung: kurz, aber mit 26% enorm steil), war f\u00fcr mich der Schicksalsberg des Rennens. Hier haben die Fahrer, die nicht spurten konnten versucht Fahrer wie mich abzuh\u00e4ngen.<\/em><\/p>\n<p><em>Den Alpecinpreis in Bielefeld h\u00e4tte ich auch gerne einmal gewonnen. Daf\u00fcr war ich aber z.B. beim Brinkmannpreis in Hamburg erfolgreich.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Was habt Ihr damals zur Verpflegung gehabt? Heute ist ein Rennen ohne Gel oder Energieriegel ja gar nicht mehr denkbar.<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWichtig war vor allem vor dem Rennen ein Fundament zu schaffen. Das waren M\u00fcsli, Haferflocken, blutiges Steak und auch rohe Eier. Im Rennen dann Reiswaffeln, Bananen und Cola.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Gab es einen Moment, oder eine Begebenheit, in Deiner aktiven Zeit der\/ die Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAls wir noch f\u00fcr den RC Zugvogel, damals noch RC Zugvogel Durex \u2013 \u00fcbrigens auch eine Nabe, gefahren sind, wurden wir zu einem Etappenrennen nach Holland eingeladen. Die Leute jubelten uns \u00fcberall zu, lachten und freuten sich uns zu sehen. Zum Schluss wollten sie sogar unsere Trikots kaufen. Wir wussten gar nicht, was los war. Bis wir herausbekamen, dass Durex in Holland die f\u00fchrende Kondommarke war&#8230;&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>In welchem Alter hast Du denn mit dem Radsport angefangen?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIn der Jugend B mit 14 Jahren. Fr\u00fcher ging das damals nicht. Nach der Jugend ging es f\u00fcr mich innerhalb von 3 Monaten von der C- in die B- und dann in die A-Klasse. Hierzu brauchte man jeweils einen Sieg.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Und wie weit hast Du es sportlich geschafft?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIch war im erweiterten Olympiakader f\u00fcr die Bahnwettbewerbe in Mexiko \u00b468. In Bielefeld fanden damals die \u201eAmateur 6-Tage&#8220; als Endausscheidung statt. Ich st\u00fcrzte und brach mir den Arm, das war&#8217;s dann.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Hatte Sprintax fr\u00fcher eine starke Amateur-Mannschaft?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWir waren bundesweit erste Sahne im Rennsport und haben viele Titel geholt. Zum Teil hatten wir 40 Fahrer. Wenn wir angetreten sind, ging es f\u00fcr die anderen nur noch um die Pl\u00e4tze.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Und wie kam es zum Wandel vom Rennsport zum Breitensport?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDamals gab es nur Sachpreise zu gewinnen. Bei den ganz gro\u00dfen Rennen auch mal Geld. Bei Rund um Frankfurt z.B. 150 Mark f\u00fcr den Sieger. Die Preise staffelten sich bis zum 15., der noch 10 Mark bekam. Die ganz reichen Vereine wie z.B. Bayer Leverkusen haben uns dann die Talente weggeschnappt, die wir aufgebaut haben. Irgendwann stellst du dir dann als ehrenamtlicher Trainer die Frage \u201eWof\u00fcr mache ich das alles?&#8220;.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Anmerkung: \u00c4hnlichkeiten zu den aktuellen Entwicklungen im Jedermann-Rennsport sind nicht zu \u00fcbersehen&#8230;<\/p>\n<p><em>\u201eSo, jetzt muss ich aber zusammenpacken, ich habe noch Nachhilfe-Unterricht.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Wir bedanken uns recht herzlich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, es hat uns sehr viel Freude gemacht.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Ein Tipp von uns:<\/span><\/p>\n<p>Wenn Ihr die M\u00f6glichkeit habt, plaudert mal ein wenig mit Gerd. Es lohnt sich, er hat noch viel mehr zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center;\">\n<p>&nbsp;<span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Gerd Kalk\u00fchler Anfang der 70er in Aktion&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/em><\/span><span style=\"font-size: 8pt;\"><em>Foto: Werner M\u00f6ller. Herzlichen Dank.<\/em><\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em><span style=\"font-size: 8pt;\">von Ulli Vogelpohl und Jan Horstkotte&nbsp;<\/span><\/em><\/p>\n<p>Mit der Neugestaltung unserer Homepage machen wir einen Schritt in die Zukunft. Was liegt da n\u00e4her, als genau jetzt einen Blick in die Vergangenheit zu werfen?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"neve_meta_sidebar":"","neve_meta_container":"","neve_meta_enable_content_width":"","neve_meta_content_width":0,"neve_meta_title_alignment":"","neve_meta_author_avatar":"","neve_post_elements_order":"","neve_meta_disable_header":"","neve_meta_disable_footer":"","neve_meta_disable_title":"","footnotes":""},"categories":[524],"tags":[],"class_list":["post-3801","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berichte-2014"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3801","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3801"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3801\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3801"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3801"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sprintax.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3801"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}