Autor: Susan

  • Transalp 2008 – 3. Etappe

    Transalp 2008 – 3. Etappe

    Mittwoch, den 9. Juli 2008

    Am vierten Tag geht es auf einer eher leichten Etappe durch das Herz der Dolomiten: Leicht bergauf durchs Gadertal nach La Villa, dann über St. Kassian zum Valparola Pass und schließlich bergab zum Passo Falzarego. Dann weiter leicht bergab nach Cortina d’Ampezzo. Ab hier ist die Strecke für die Jeantex-TOUR-Transalp Neuland. Zum ersten Mal fahren die Teams auf den Passo Tre Croci und weiter zum Lago di Misurina, die bekannten Drei Zinnen immer im Blick. Ab Kilometer 70 rollt man hinunter nach Schluderbach und weiter über Toblach nach Innichen. Zum Etappenzielort Sexten gibt es noch einen kleinen aber weniger steilen Anstieg.

    Pünktlich um neun Uhr starteten 1110 Fahrer/innen zur vierten Etappe in St. Vigil. Es herrschten Top-Wetterbedingungen am Start. Nach 3:08 Std. waren die ersten Herren-Teams im Ziel. Unter ihnen befanden sich die Rennfahrer Finn Heitmann und Malte Urban.

    Bis 14:12 Uhr haben 1024 Starter/innen das Ziel erreicht. Dario und Thomas landeten diesmal mit einer Zeit von 4:43.26,1 Stunden auf Platz 173 in der Kategorie „Herren“ (von 192). „Der Sommer ist endlich da, traumhafte Landschaft ! Heute sind wir mal getrennt gefahren, denn Thomas laboriert an einer leichten Infektion,“ so Dario Wildmann am Abend. „Ich bin so weit wie möglich nach vorne gefahren. Dort wird erschreckend scharf geballert, Rennen pur!! Morgen wird es richtig schwer. Hoffentlich haben wir beide gute Beine.“

    Jeantex-Transalp

  • Transalp 2008 – 2. Etappe

    Transalp 2008 – 2. Etappe

    Dienstag, den 8. Juli 2008

    Nachdem sich die Fahrer in Brixen durch die engen Gassen geschlängelt haben, beginnt der längste Anstieg der Tour: 1.400 Höhenmeter zum Würzjoch. Der lange Bergweg wird immer mal wieder von einigen flachen Passagen unterbrochen. Ab jetzt befindet man sich in den Dolomiten. Nach einer kurvenreichen und anspruchsvollen Abfahrt ins Gadertal, führt die Strecke über Olang zum 1.731 Meter hohen Furkelpass. Und der hat es in sich: bis zu 19 Prozent steile Rampen gilt es zu bezwingen. Dafür sind die Ausblicke vom Pass in die Dolomiten spektakulär. Bei der Fahrt runter nach St. Vigil ist bei den Bikern wieder Konzentration gefordert, es kommen viele enge Kehren.

    Das Bielefelder Sprintax Team mußte heute die längste Steigung bewältigen: 32 km aufwärts zum Würzjoch. Wer Dario und Thomas kennt, weiss: die beiden stecken so manches weg. Und während der Teil zum Würzjoch noch ganz „gut zu fahren“ war kommt selbst Thomas Sliwka der anschließende Teil zum Furkelpass im nachhinein etwas „anstrengend“ vor bzw. mit seinen Worten: “ Mehrere 19% Rampen – da brennen die Beine! Aber diesmal nur wenige Tropfen Regen, es wird endlich warm und sonnig.“ Erwischt haben wir die beiden Bielefelder am Abend: „Wir stehen grad mal in der Pasta-Party-Schlange an, man gewöhnt sich dran. Auch die heutige Übernachtung bietet nicht nur Erholung für den Körper, auch der Geist profitiert: Heute abend schlafen wir im Klassenzimmer einer Schule!“ Na dann: Gute Nacht und einen erholsamen Schlaf! Nach 5:19 Stunden im Sattel liegen die beiden heute abend auf Platz 157 der Etappe. Genau einen Platz vor dem Team Ludewig / Kramer vom Team Lightweigth Felt. In der Gesamtwertung steht das Bielefelder Sprintax-Team heute auf Platz 146.

    Jeantex-Transalp

  • Transalp 2008 – 1. Etappe

    Transalp 2008 – 1. Etappe

    Sonntag, 6. Juli 2008

     

    Die Jeantex-TOUR-Transalp 2008 beginnt ganz entspannt: Von der Dorfstraße in Oberammergau schlängelt sich das Fahrerfeld an Schloss Linderhof vorbei hoch zum Ammersattel (1.096 Meter). Dann geht es immer leicht bergab am Plansee vorbei runter nach Reutte. Zum ersten Mal etwas anspruchsvoll wird es nach 62 Kilometern – das Hahntennjoch wartet auf die Teams. Hier zeigt sich, wer seine Kräfte gut eingeteilt hat, denn dieser 1.894 Meter hohe Übergang ins Gurgltal ist im oberen Teil ziemlich steil. Danach saust man runter nach Imst im Inntal und über die Dörfer Roppen und Sautens weiter ins Ötztal. Die letzten 40 Kilometer ziehen sich langsam bergauf nach Sölden.

    Die erste Etappe absolvierten Thomas und Dario in einer Zeit von 5:25.07,4 Std. „Wir sind aus der letzten Gruppe bei Sonnenschein gestartet“ berichtet Dario am Abend, „und konnten von hinten gut Temp machen. Kurz vorm Hahntenjoch ist die große Spitzengruppe noch entfernt zu sehen. Dann überrascht uns plötzlich im halben Anstieg ein Gewitterregen. Auf der Abfahrt ist der Regen zwar vorbei, aber es bleibt nass und rutschig. Die langgezogenen Kilometer das Ötztal hinauf zehren schon mal an den Kräften – und vorm Ziel setzt wieder Regen ein… „. Das Ergebnis der ersten Etappe kann sich freilich sehen lassen. Mit knapp 5,5 Stundent belegt das Team „Sprintax Bielefeld“ in der Klasse „Herren“ den Platz 156 von 201 Herren-Teams. Mit dem Rang 156 liegen Thomas und Dario nur drei Plätze hinter dem Team „Lightweight Felt“ mit Jörg Ludewig und Christian Kramer. Die Durchschnittgeschwindigkeit von Team „Sprintax Bielefeld“ betrug 25,974 km/h. (bravo/rs)

    Jeantex-Transalp

  • Rückblick Transalp 2008

    Rückblick Transalp 2008

    Das war die 6. Jeantex TOUR-Transalp 2008

    Samstag 12. Juli 2008:

    Das Rennen ist gelaufen. Bibione ist erreicht. Die Teams sind an der Adria.

    „Geschafft! Wir sind angekommen, sturz- und pannenfrei. Hitzeschlacht heute und grottenlangweilig, null Berge, nur Windschattenfahren und Löcher zufahren. In der großen Gruppe gab es einige Stürze. Unsere Bikes sind schon auf dem LKW und gleich ist Beach-Party !!! Schade, dass es schon vorbei ist, man ist so gerade warmgefahren.“

    So lautet das Resümee des letzten Tages der Transalp 2008 aus Sicht der beiden Bielefelder.

    Dario Wildman hat die Erlebnisse und Erfahrungen des Bielefelder Sprintax-Teams in einem umfangreichen Bericht zusammengefaßt. Der Bericht steht als PDF-Dokument zum Download bereit: Bericht Transalp 2008.pdf

    Jeantex-Transalp

  • Maratona Dolomiti 2008

    Maratona Dolomiti 2008

    Von Karl-Heinz Opper

    Jeder, der mit seiner Leistung nicht zufrieden ist, wird externe Gründe heranziehen, so auch ich. Schlecht geschlafen, zu wenig trainiert, so fängt es schon an. Nicht genügend Adrenalin, so schön wie beim ersten Mal wird´s nie wieder sein, eine besch…. neue Hose, die an den tückischsten Stellen zwickt und die im Verlauf des Rennens zu ständigen Rhythmuswechseln zwingt, ohne dass letztlich heftige Blessuren verhindert werden können, zu viel eiskaltes Wasser getrunken, etc.

    Aber das ist alles nur Kleinkinderkram, denn das Gefühl, dabei zu sein, kleines Teilchen eines riesigen Ereignisses, überragt alle anderen Gefühle: Gänsehaut pur um 6.30 Uhr, wenn die Täler noch im tiefen Schatten liegen, die Sonne lediglich die Bergwipfel bescheint; hunderte, tausende fahren zu ihren Sammelpunkten, es wird eng; noch einmal zur Toilette gehen? Irgendwie wird es schon gehen. Hubschrauber, mindestens drei, überfliegen uns, einer landet. Später werden sie uns beim Aufstieg frische Luft zufächeln. Der Radsport lebt! Wir brauchen keine Doofen-Wimpel, um unsere Zusammengehörigkeit zu erfahren! Wir brauchen keine Päpste, keine Apostel und keine Renegaten!

    Auf den ersten zwei Kilometern hätte ich einen Profi-Vertrag – für Senioren versteht sich – noch ohne Zögern unterschrieben, doch spätestens nach der ersten Runde, 55 km, Ankunft in Corvara , musste ich mich einen Narren nennen, der, losgelöst von aller Wirklichkeit, seinen Träumen nachhängt. Dabei wurde mir eines klar: Trotz Dr. Franke(nstein) und Scharping, der Radsport wird immer leben, durch uns!

    Mit einem Ohr konzentriert auf die Renngeräusche der Neben-, Vorder- und Hinterleute, mit dem anderen Ohr die Lautsprecherdurchsage registrierend, glaubte ich zunächst kaum, was ich zu hören vermutet hatte: der Sieger auf der mittleren Distanz war schon ermittelt. Du quälst dich noch auf der 55er Runde und die ersten beenden schon ihre 106 km-Runde! Ich glaube, ich steige jetzt ab und erzähle meiner Frau eine Geschichte von meinen dramatischen Material-Problemen!

    Weiter! Immerhin haben wir schon den Campolongo, den Pordoi, den Sella und den Gardena bezwungen. Jetzt geht´s ja nur noch einmal zum Campolongo und dann immer bergab, der Giau wird uns nicht platt machen.

    -…

    Zum dritten Mal bin ich Teil dieses großartigen Radsport-Ereignisses. Doch jetzt beginntdie dramatische Phase: Herzklopfen, Magenkrämpfe (das Quellwasser war wohl doch etwas kalt) und der Giau, der Gefürchtete, der Scharfrichter, von 1314 m bis auf 2236 m, 10 Kilometer nur bergauf. Heilandsack! Was tue ich mir da an? Nicht viele Chancen, Alter, hast du noch, diese Herausforderung anzunehmen,

    Endlich auf dem Gipfel, wieder eine schöne Abfahrt erarbeitet (bis 85 kmh). Jetzt nur noch der moderate Falzarego aus der Richtung Cortina d´Ampezzo. Und dann kommt auch schon das Ziel, Glück pur, unbeschreiblich; auch nicht gemindert durch den respektlosen Lauser, der die Transponder-Befestigung abknipst, ohne dich auch nur eine Sekunde anzuschauen, dabei bis du einer von 9000 Gewinnern, wie die lokale Presse schrieb.also avanti, mach es! Supertypen fahren an mir vorbei, vielleicht neide ich ihnen ihre Jugend, ihren Elan, aber das Alter – das wir alle erleben werden – hat auch seine Vorteile, du musst nicht mehr mit den dreißigjährigen Jungs konkurrieren, du hast was geschafft und kannst dein Leben ohne diese schrecklichen Zwänge des Alltags einrichten.

    Auch 2009 wird es den Maratona Dolomiti geben. Wer ist dabei? Und das meinen die Organisatoren, denen höchstes Lob für ihre phantastische Arbeit gebührt: Wir hoffen, Dich auch bei der nächsten Austragung der Maratona dles Dolomites begrüssen zu dürfen. Freude herrscht !

  • Zweites Sommer-Event – ein voller Erfolg!

    Zweites Sommer-Event – ein voller Erfolg!

    Alles passte: das Wetter, die angekündigten Topics und die Stimmung bei den Teilnehmern!

    Am „Radladen Kalkühler“, Beckhausstraße, sammelten sich all diejeniger, die das 2. „Sommer-Event“ voll auskosten wollten. In lockerer Fahrt ging es von Schildesche über Brake, Milse und Altenhagen nach Heepen zur Bielefelder Radrennbahn.

    2. Sommerevent

    Dort wartete bereits die Gruppe derjenigen, die direkt die traditionsreiche Radsportstätte angesteuert hatten. Unter ihnen Gerd Kalkühler, Gründungsmitglied des R.C. Sprintax, und Ralf Schmölders, Vorstand R.C. Sprintax, der auf grund eines technischen Defekts an seiner „Rennmaschine“ kurzfristig auf seinen „City-Cruiser“ umsteigen musste.

    Zirka 30 Sprintax-Mitglieder und Freunde verfolgten dann ein spannendes und emotional geladenes Steherrennen um die NRW-Landesmeisterschaft mit dem Lokalmatador und amtierenden Deutschen Meister Jan Eric Schwarzer.

    Jan Eric Schwarzer entschied das Rennen nach einem packenden Zweikampf mit Christoph Breuer aus Köln für sich und ist damit NRW-Landesmeister 2008.

    Gegen 20:15 Uhr hieß es dann „Bahn frei“ mit der Möglichkeit selbst ein wenig Bahnradsport zu betreiben. Peter Wydany war aus diesem Grund extra mit einem Bahnrad und im historischen Sprintax-Trikot angetreten, um einige Runden auf der 333 Meter langen Bielefelder (Beton-) Radrennbahn zu drehen.

    2. Sommerevent

    Manche Teilnehmer bedauerten, dass dieser Teil des Abends nur eine halbe Stunde währte. Denn gegen 20:45 Uhr ging es weiter zum Ravenberger Park – genauer zum Lichtwerk-Kino im Ravenberger Park.

    Dort wurde exklusiv für den R.C. Sprintax der Film „Flying Scotsman. Allein zum Ziel.“ gezeigt. Ein besonderes Highlight hier: der NRW-Landesmeister 2008 Jan-Eric Schwarzer „zum Anfassen“. Dazu Ralf Schmölders: „Wir haben uns sehr über den Besuch von Jan-Eric gefreut! Insbesondere auch deshalb, weil er selber eine kleine Nebenrolle in diesem Kinofilm, der bekanntlich in der Kölner Gegend produziert wurde, gespielt hat.“

    Am späten Abend nach dem Film waren sich alle einig: dieser Film ist tiefgründig und sehr beeindruckend. Und: es war ein gelungenes 2. „Sommer-Event“ des R.C. Sprintax e.V. Bielefeld. Zur Wiederholung empfohlen. (bravo/ rs)

    2. Sommerevent 2. Sommerevent
    2. Sommerevent 2. Sommerevent
    2. Sommerevent 2. Sommerevent
  • L’Eroica 2008 – Oldtimer in der Toskana

    L’Eroica 2008 – Oldtimer in der Toskana

    Von Karl-Heinz Opper

    Was fällt einem normalen Menschen ein, wenn er Chianti hört? Eben. Er denkt an Wein und Wildschwein, an sanfte Hügel, schnuckelige Städtchen, die von Architektur-Barbaren noch nicht zerstört wurden, an Kultur und Erholung. Was aber fällt dem polyglotten Radsportler ein? L’Eroica! Gut 1400 Kilometer liegen zwischen Detmold und Gaiole, Start und Ziel, Herz der Veranstaltung. So was kann man also nicht jedes Wochenende in Angriff nehmen.

    L'EroicaUnser kleines Hotel (www.lafontedelcieco.com) liegt direkt oberhalb der Piazza, nur ein paar Treppen sind zu bewältigen; der Vorgarten gleicht einer Tribüne, von der aus man das Treiben beobachten kann. Absperrgitter, Transparente, ein Podest und das Zelt eines Sponsors (eine Bank! Und das in diesen Zeiten) weisen auf die kommenden Ereignisse hin. Es ist nicht schwer, sich zu orientieren, überall gutgelaunte Radsportler im regen Austausch. Auch ohne perfekte Sprachkenntnisse ahnt man, worum es geht. In der Turnhalle, auf der anderen Seite der Straße, drängen sich schon am Freitag die ankommenden Besucher um die Händlertische. Alte Komponenten und Teile, die längst nicht mehr produziert werden, sind liebevoll arrangiert (manche riechen arg nach Keller) und es fallen bewundernde Blicke auf die sorgfältig restaurierten Oldtimer. Auf langen Stangen hängen echte alte Wolltrikots, Löcher bürgen dabei für Originalität.

    Umdrängt von Bewunderern lässt sich der Star der L’Eroica ein ums andere mal interviewen und präsentiert sich den Kameras. Schließlich geht es um ein wichtiges Ziel, die Erhaltung der strade bianche, der nicht-asphaltierten Straßen im Chianti, dieser wundervollen Region in der Toscana.

    L'EroicaAm Samstag herrscht ein hektisches, nervöses Gedränge bei der Anmeldung, wie bei allen großen Jedermann-Veranstaltungen. Auch draußen gibt es zahlreiche Interessenten für die zum Verkauf professionell in Szene gesetzten Oldtimer aus den 20er bis 70er Jahren. Zwar finde ich nur wenige in einer für mich akzeptablen Größe, das facht allerdings meine Kaufgelüste nur umso mehr an. Der Dämpfer naht sofort, ist eigentlich direkt bei mir: „Du hast schon so viele Räder im Keller. Da kommt keins mehr dazu. Wo willst du die alle hinstellen? Wag dich bloß nicht….“ Als guter Ehemann, in fast 40 Ehejahren geläutert, denke ich nur: „Aber deine Schuhe…“ Ich kenne ja die Antwort, dass dies ja etwas gaaaanz anderes sei, überhaupt nicht damit zu vergleichen. Also höre ich mich friedliebend sagen: „Du hast wahrscheinlich recht, Schatz, war nur so eine blöde Idee.“ An dieser Stelle ärgere ich mich einmal mehr über den Schrauber, der mir monatelang einen „Italiener“ versprochen hatte, in meiner Größe und mit orginalen Teilen und der sich dann nur mühsam an seine großspurige Ansage erinnern und mir dann doch nur einen Riesen-Rahmen andrehen wollte. Vorbei. Es kommen auch wieder bessere Tage. Jetzt geht es darum, ganz entspannt die letzten Stunden zu verbringen: Wenig Alkohol, keine schweren Speisen. Der Espresso war wohl auch nicht das Richtige. Mitternacht ist schon vorbei – habe ich überhaupt ein Auge zugetan – panischer Blick zur Uhr. Entwarnung. Nicht verschlafen, es ist erst 2.30 Uhr. Wie schön, noch ein bisschen liegenbleiben, entspannen, so gut es geht. Doch, trügt die Wahrnehmung oder ist es wirklich kühl geworden? Dann doch lieber die Decke zusätzlich aus dem Schrank holen? Jäh, mitten im schönsten Fahrradtraum, das scheußliche Piepen des Weckers. Vorbei die Nacht, raus und schnell kalt duschen. Oder doch lieber nicht? Das dauert ja alles viel zu lange und macht viel zu viel Krach. Aber was ziehe ich bloß an? Ok. Risiko. Kurz, mit Arm- und Beinlingen, falls es mittags viel wärmer werden sollte. Ein wenig Wasser, ein wenig Brot, kriege kaum was runter und leider bietet das Hotel keinen Helden-Service (im Unterschied zu den Hotels in den Dolomiten), noch mal zur Toilette, diesmal allerdings eine Kurz-Sitzung und um 5.34 Uhr stehe ich am Tisch, um mich einzuschreiben: 2060. Das Thermometer an der Apotheke zeigt 1o Celsius, meine Schreibhand zittert also wegen der Kälte, nicht wegen der Aufregung. Gemächlich rolle ich zum Start, es gibt einen Aufkleber aufs Rad und einen Stempel auf die Karte, nicht ganz ungewohnt.

    L'EroicaLos! Sofort umfängt mich beißende Kälte und nach etwa 500 Metern, am Ortsausgang, finstere Nacht. Die Lampe, die ich nun hastig einschalte, lässt die Strecke auch nur erahnen, es scheint, die Batterien gehen zur Neige, es ist wie verhext. Zu meiner großen Freude kommt auch ab und zu ein Auto, das für einige Sekunden die Straße ausleuchtet. Die Kälte lässt mich schier erstarren, es greift immer mehr der Gedanke , jetzt besser umzukehren, noch eine Runde zu schlafen und dann eine schöne Ausrede zu erfinden. Es passiert wirklich nur im Kopf, alles. Völlig einsam in der Nacht, fast mechanisch trete ich in die Pedale, fahre jetzt langsam und hoffe, dass Leidensgefährten zu mir aufschließen. Nichts passiert, ich bin komplett allein in diesem Universum. Ich spüre Angst und Verzweiflung. Meine Finger sind so kalt, dass ich nicht mehr Schalten kann, ich werde langsamer, immer wieder geblendet von entgegenkommenden Fahrzeugen, fahre fast in einen Graben. Ich werde noch langsamer, mutlos, der Augenblick der Aufgabe ist nahe: DNF, did not finish. Na und? Wem soll ich denn noch was beweisen müssen? Jetzt wieder die andere Fraktion der Neuronen: Du Penner fährst gefälligst weiter und zwar ein bisschen zügiger; wir wollen diesen Jammerkram nicht mehr. Da kommt auch schon eine moderate Steigung, vielleicht bin ich bislang erst zehn Kilometer gefahren, und es wird von innen ein wenig wärmer. Die Finger allerdings sind eiskalt, klamm und es hilft auch nur kurzfristig, sie im Mund zu wärmen. Dann endlich flimmern vor mir rote Glühwürmchen, Rücklichter, und ich sehe eine größere Gruppe eine Kehre oberhalb von mir fahren, höre jetzt auch ihre Stimmen, ihr Lachen, ihre Aufmunterungen . Neue Hoffnung also, schnell den Anschluss finden. Einige haben starke Strahler und zusätzlich Helmlampen, einige fahren komplett ohne Licht; es herrscht eine ausgelassene Stimmung, ich werde als Mitfahrer zumindest zur Kenntnis genommen. Im Licht der Strahlemänner fahre ich die erste unbefestigte Strecke; moderat bergauf geht´s, nur ab und zu rutscht das Vorder- oder Hinterrad weg, bergab ist es ein russisches Roulette, holperig, anstrengend, in jeder Phase volle Konzentration erfordernd. Die Erschütterungen im Körper spüre ich noch Tage später. Endlich, nach einigen Kilometern (Pannen auch schon in der Anfangsphase, meist kaputte Schlauchreifen) wieder eine asphaltierte Straße. Durchatmen. Allerdings ist die Gruppe zersplittert, unter all den Verrückten gibt es noch Superverrückte, die nachts mit 50 km/h diese Pisten hinabschießen.

    Siena erkenne ich auf einem Straßenschild, wir sind aus dem Chianti raus, es geht auf und ab, befestigte und unbefestigte Straßen. Die schwersten Abschnitte, so weiß ich heute, kommen erst später, am Nachmittag, Anstiege mit mehr als 15 Prozent, wo mal das Vorderrad wegrutscht, mal das Hinterrad durchdreht, sobald man aus dem Sattel geht. Und wenn man sitzen bleibt und über ein Steinchen fährt, hebt das Vorderrad ab. Aber irgendwie geht es doch und das zeitweilige Bedürfnis, wie so viele andere Teilnehmer doch jetzt besser zu schieben, wird nicht übermächtig. An vielen Steigungen bewundere ich die Ritter, die mit ihren Klassikern diese strapaziöse Tour auf sich nehmen.

    Mittlerweile färbt sich der Horizont und die Dunkelheit zerstreut sich allmählich; es beginnt ein faszinierendes Ankommen in dieser unglaublich schönen Landschaft der südlichen Toscana. Die Temperatur wird erträglicher und die Helden auf ihren Oldtimern, die nun endlich richtig zu sehen sind, werden zu einem unauslöschlichen Erlebnis.

    –

    L'EroicaNach etwa 50 Kilometern kommt die erste Verpflegungsstation: Und es stimmen die Beschreibungen aus den Fahrrad-Magazinen, es gibt Rotwein, Schinken, Salami, Mortadella und andere Köstlichkeiten, aber auch ganz gewöhnliche RTF-Kost. Einige sind richtig beschwingt und trinken wohl auch mehr als ein Gläschen. Besser keinen Alkohol.

    Weiter geht´s, immer auf und ab, mal asphaltiert, mal unbefestigt, eine wirkliche Herausforderung. Dann die Streckenteilung. Wie geplant biege ich zur 130er Strecke ab und bin plötzlich allein. Wie? Das gibt´s doch nicht. Auch die keuchenden und schiebenden Kollegen fahren die lange Strecke? Hey, was machen deine Beine? Also den Berg wieder hoch und in die große Runde einbiegen (natürlich hab´ ich mich dafür ein ums andere Mal gescholten und für blöde erklärt), der neuerliche Kampf zwischen Vernunft und Abenteuerlust. Jetzt, wo die Entscheidung gefallen ist, geht es darum, die Kräfte richtig einzuteilen und sich nicht zu kraftraubenden Duellen hinreißen zu lassen.

    L'Eroica

    Phantastisch auch die Rast in Montalcino, der Heimat des berühmtes Brunello. Das Feld hat sich mittlerweile weit auseinandergezogen; immer wieder gibt jemand auf, ist erschöpft und mutlos oder entnervt wegen einer Panne. Die südliche Toscana, die Crete. Etrusker und Renaissance, die Gedanken fliegen und lassen die Strapazen vergessen, zumindest für ein paar Minuten. Hölle und Paradies – nur ein paar Kurbelumdrehungen voneinander entfernt. In der Mittagszeit gibt es warmes Essen, unter anderem eine Ribollita, eine toscanische Brotsuppe. Die schmeckt phantastisch, könnte aber doch etwas schwer im lippischen Magen liegen, also lieber nur Obst und Kuchen.

    Am Nachmittag ziehen Wolken auf, es wird kühler, regnet aber nicht. Anstiege und Abfahrten sind gleichermaßen anstrengend und erfordern höchste Konzentration, die nicht mehr vollständig gelingt, es mehren sich kleine Fahrfehler, die glücklicherweise keine schlimmen Folgen haben. Besonders gefährliche Abfahrten werden gesondert markiert. Und das zu recht, die haben es wirklich in sich, Hände und Schultern schmerzen über die Maßen, braucht man auf der einen Seite alle Kraft, um den Tacho im zweistelligen Bereich zu halten, muss man auf der anderen Seite mächtig rackern, um nicht zu schnell zu werden. Gerne würde ich meinen Tacho befragen, wie viele Kilometer ich schon unterwegs bin, aber ich fürchte, ein solcher Blick könnte einen deprimierenden Kilometerstand anzeigen, einen, der noch von vielen anstehenden Mühen kündet.

    Der Stand der Sonne, das Licht und die Schatten sagen, der Tag ist weit fortgeschritten. Und endlich werden die Namen der Ortschaften wieder vertrauter, schließlich die Erlösung, Gaiole, 7 Kilometer. Der kleine Umweg, noch einmal eine unbefestigte Strecke, steigert nur noch das Gefühl, endlich anzukommen, es ist geschafft. Glück, Erschöpfung, Euphorie. Die letzten Meter, das Spalier, die applaudierenden Zuschauer, überhaupt keine Schmerzen mehr, heil angekommen, mehr als zehn Stunden im Sattel. Es folgt ein letzter Stempel. Tolle Organisation, phantastische Dramaturgie, 212 Kilometer zeigt der Tacho an: L´Eroica 2008.